Was bedeutet „Tinnitus-Frequenz" überhaupt?
Wenn dein Tinnitus wie ein Ton oder Pfeifen klingt, lässt er sich einer Tonhöhe zuordnen — gemessen in Hertz (Hz). Viele Betroffene hören ihren Ton im Bereich zwischen 3.000 und 8.000 Hz, manche deutlich darüber. Klingt dein Tinnitus eher wie Rauschen oder Zischen ohne klare Tonhöhe, ist das ein sogenannter breitbandiger Tinnitus — dann ist der Frequenz-Test weniger aussagekräftig, und das ist völlig in Ordnung.
Wichtig vorweg: Der Test ist keine medizinische Messung und ersetzt keine HNO-Diagnostik. Er ist eine Selbsteinschätzung — aber eine nützliche.
Wofür lohnt sich der Test?
- Du kannst deinen Tinnitus beschreiben. „Ein Ton um die 6.300 Hz, rechts" ist greifbarer als „so ein Pfeifen" — für dich selbst und im Gespräch mit deinem HNO-Arzt.
- Klang lässt sich darauf abstimmen. Eine Klangmischung, die um deine Frequenz herum angepasst ist, empfinden viele als angenehmer als generisches Rauschen.
- Veränderungen fallen dir auf. Wer seinen Ton kennt, bemerkt eher, wenn sich etwas verschiebt — auch das kann für ärztliche Gespräche nützlich sein.
Direkt ausprobieren: Den Ton-Test gibt es auch kostenlos im Browser — Sinuston von 250 bis 12.000 Hz, pro Ohr abspielbar.
Schritt für Schritt: So findest du deinen Ton
1. Kopfhörer auf, Umgebung leise
Nutze Kopfhörer und such dir einen ruhigen Moment — abends funktioniert oft gut. Stell die Lautstärke niedrig ein: Der Testton soll gerade eben hörbar sein. Es bringt nichts, laut zu testen — und deinen Ohren tust du damit auch keinen Gefallen.
2. Taste dich mit einem Sinuston heran
Spiele einen durchstimmbaren Sinuston ab (in Stille: der Ton-Matcher von 250 bis 12.000 Hz) und bewege dich langsam durch die Frequenzen. Du merkst schnell, ob du zu tief oder zu hoch bist — dein eigener Ton fühlt sich beim Vergleich sofort „verwandt" an.
3. Fein nachjustieren
In der Nähe deines Tons werden die Unterschiede klein. Geh in kleinen Schritten rauf und runter (Feinjustage-Tasten), bis Testton und Tinnitus kaum noch zu unterscheiden sind. Perfekt muss es nicht sein — „so nah wie möglich" reicht völlig.
4. Wiederhole den Test pro Ohr
Hier wird es interessant: Rund jeder dritte Betroffene hört links und rechts unterschiedliche Töne — etwa 6.300 Hz links und 8.100 Hz rechts. Teste deshalb jedes Ohr einzeln, indem du den Ton nur auf einer Seite abspielst. In Stille wählst du dafür einfach „Nur links" oder „Nur rechts" und misst nacheinander — die App merkt sich beide Werte.
Häufige Stolpersteine
„Ich finde keinen eindeutigen Ton"
Dann ist dein Tinnitus vermutlich eher breitbandig (Rauschen, Zischen). Kein Problem: Überspring den Test. Klangteppiche funktionieren auch ohne gemessene Frequenz — sie werden dann sanft in den Höhen angepasst statt um einen Punkt herum.
„Der Ton verändert sich ständig"
Tinnitus schwankt — mit Stress, Schlaf und Tagesform. Miss an einem durchschnittlichen Tag und betrachte dein Ergebnis als Orientierung, nicht als Laborwert. Du kannst jederzeit neu messen.
„Beim Testen wird mein Tinnitus kurz lauter"
Konzentration auf den Ton kann ihn vorübergehend präsenter machen — das ist normal und legt sich wieder. Teste leise, kurz und ohne Druck.
Das Wichtigste in Kürze
- Tonaler Tinnitus hat eine Frequenz; mit einem leisen Sinuston-Vergleich findest du sie in wenigen Minuten.
- Teste jedes Ohr einzeln — unterschiedliche Töne pro Seite sind häufig.
- Das Ergebnis ist eine Orientierung für dich und Grundlage für eine Klangmischung, die zu deinem Gehör passt — keine Diagnose.